Trend zum Studium ist ein Problem

Zeitungsartikel, erschienen bei "Fränkische Nachrichten"

Wirtschaftsforum Kreuzwertheim: Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer standen auch bei der zweiten Auflage im Mittelpunkt

Wiebelbach. Es war vor allem der Gedankenaustausch, der auch beim zweiten Wirtschaftsforum Kreuzwertheim im Mittelpunkt stand. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr folgten am Freitagnachmittag noch mehr Interessierte der Einladung von Bürgermeister Klaus Thoma. Erste Stationen der insgesamt über drei Stunden dauernden Veranstaltung waren die Firmen JEWA Metallverarbeitung und HEMA Präzisionsdrehteile, die bei einer ausgiebigen Führung von Gründer und Geschäftsführer Edgar Jeßberger vorgestellt wurden.

Nach einem Vortrag von Dr. Lukas Kagerbauer, Bereichsleiter Berufsausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, war dann das im Gewerbegebiet benachbarte Unternehmen MCJ das nächste Ziel.
Das Wirtschaftsforum solle die Möglichkeit bieten zum Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer, sowie zur Vernetzung, sagte Bürgermeister Klaus Thoma einleitend. Für die anwesenden Kommunalpolitiker sei es eine Chance, die ansässigen Betriebe besser kennenzulernen. „Leistungsstarke Firmen bedeuten auch eine leistungsstarke Gemeinde“, formulierte Thoma sein Credo. Deshalb bemühe man sich, optimale Standortfaktoren zu schaffen, sei es durch günstige Steuerhebesätze und Gewerbeflächen, den Ausbau der Infrastruktur oder auch eine leistungsfähige Verwaltung, in der die Anlaufstellen für die Unternehmer auf wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt seien, um kurze Wege zu schaffen.

Die Firma JEWA wurde 1979 gegründet und hat sich aus kleinen Anfängen zum mittelständischen Hersteller hochwertiger Fräs-, Dreh- und Maschinenbauteile sowie komplett montierter Bauteile mit rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt. Die Schwesterfirma HEMA Präzisionsdrehteile kam 1991 hinzu. Wie Geschäftsführer Edgar Jeßberger unter anderem betonte, wurden in den nunmehr 36 Jahren des Bestehens mehr als 50 junge Leute bei JEWA in den Berufen Zerspanungsmechniker für Fräs- beziehungsweise Drehmaschinensysteme, sowie Bürokaufmann beziehungsweise Bürokauffrau ausgebildet.
Diese Information war für den Bürgermeister die passende Überleitung zum nächsten Themenblock des Wirtschaftsforums. Zunächst würdigte es den eigens deshalb eingeladenen Dominik Jeßberger, der seine Lehr zum Feinwerkmechaniker im Werkzeugbau als Bester im Kammerbezirk und mit 95 Punkten als Drittplatzierter im Landeswettbewerb abgeschlossen hat.
„Noch lange bevor er wusste, was er beruflich machen will, war ihm schon klar, dass er auf jeden Fall der Beste sein will“, so Thoma über den jungen Mann. „Ausbildung insgesamt ist ein ganz wichtiges Themen für die Unternehmen vor Ort“, unterstrich der Bürgermeister. Es werde dabei immer schwieriger, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Es gelte verstärkt, „der Jugend zu sagen, dass nicht jeder studieren muss“.

Auch Dr. Lukas Kagerbauer sah in dem Trend hin zu weiterführenden Schulen und akademischen Abschlüssen ein fast noch größeres Problem für viele Firmen als im demografischen Wandel. „Wir haben Fachkräfteengpässe gerade im ländlichen Raum und in bestimmten Branchen“, stellte der Bereichsleiter für die Berufsausbildung bei der IHK Würzburg-Schweinfurt fest. Es gelte, der Annahme entgegenzuwirken, dass eine duale Ausbildung gegenüber dem Studium ein „Weg zweiter Klasse“ in die Zukunft sei.
Nachdem er einige Projekte und Initiativen der Industrie- und Handelskammern in diesem Bereich erläutert hatte, wandte sich Dr. Kagerbauer dem Thema „Flüchtlinge“ und ihrer Bedeutung für den Arbeitsmarkt zu. Dabei warnte der Referent mehr oder weniger offen davon, hier die Lösung aller Schwierigkeiten zu sehen. „Man braucht eine realistische Betrachtungsweise“ und dürfe sich keinen falschen Illusionen hingeben. Es gehe darum, „die Leute, die jetzt da sind, in den Arbeitsmarkt zu integrieren“. Das größte Problem bei der Integration ist nach Ansicht des IHK-Vertreters nicht das Geld, „es ist die Koordination“. Und, möchte man unter dem Eindruck des Gehörten hinzufügen, es ist die Bürokratie und sind zu starre Regeln. Diese abzubauen beziehungsweise zu lockern, wird Zeit und Geduld brauchen.

Übersicht